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Kerwegeschichte



 

Die Wiederbelebung der Erbächer Kerwe:

Von Katja Dreiling (Eckes)

Es trug sich am letzten Wochenende im August 1983 zu. Ich war “zarte“ 12 Jahre alt und gammelte mit meinen Freundinnen so rum. Nicht´s ahnend, was unsere Eltern mit ihren Freunden vom Pannekuche-Eck im Helmlingshof gegenüber ausheckten.

Es war eines dieser spontanen Treffen, auf einer Bierbank. Man schwatze und lachte gemeinsam, bis einem in der Runde einfiel, das ja früher immer genau am letzten Wochenende im August Kerwe in Erbach gefeiert wurde. Irgendwie war diese Tradition jedoch schon einige Jahre eingeschlafen. Die Freunde waren sich schnell einig, dass dieses Fest unbedingt SOFORT gefeiert werden musste.

So kam es, dass meine Mutter aufgekratzt wie ein Kerwehuhn ins Haus gestürmt kam und was von Adventskranz, Kerwebosch und Kerwemädsche erzählte. Wir kappierten überhaupt nichts, doch Wiederstand war zwecklos. Sie erklärte uns, dass wir unbedingt mitmachen müssten und so fanden wir uns etwas später in Kommunionsanzug und Fasnachts-Kleidchen mit Stroh auf dem Kopf im Helmlingshof stehend als Kerwebosch und Kerwemädsche wieder. Die stolze Kerwesau in Form eines Glücksschweins aus Gibs,(existiert sogar noch) fest im Arm . Unser damaliger künstlicher Adventskranz prangte mit Blüten und Bändern geschmückt an einem Balken der Helmlingsscheuer. So standen wir im Hof und wussten gar nicht recht, wie uns geschah, als alle in Jubelrufe über die Kerwe ausbrachen. “Wem ist die Kerwe……“. So mancher musste erst mal mit den alten Kerwerufen vertraut gemacht werden, was sich aber im Laufe des Abends als unproblematisch herausstellte.

Es gab zu Essen, zu trinken und Musik aus dem Kassettenrekorder. Aus einer Bierbank wurden drei, da vorbeikommende sich einfach dazu Gesellten. So war alles da, was man braucht um eine Kerwe zu feiern. Je später der Abend wurde, umso ausgelassener auch die Stimmung der Freunde. Zu guter Letzt, tanzte man sogar auf dem erkalteten Misthaufen und erwartete das erscheinen der weißen Frau vom Edelmannshof (so hieß der Hellmlingshof früher, siehe Heppenheimer Sagen).

Das Blut erstarrte der Gesellschaft jedoch in den Adern, als aus dem Dunkel tatsächlich eine Weiße Gestalt den Hof betrat. Wie groß die Erleichterung, daß es nur der Hausherr Sepp Helmling war der sich in eine weiße Gardiene gehüllt hatte. Laut schallte das Lachen über den Hof.

Seit dem nahm das Kerwegeschehen in Erbach wieder seinen Lauf und ab 1984 gab es wieder eine richtige Erbächer Kerwe so wie man sie kennt. Dank unzähliger fleißiger und engagierter Helfer ist es bis Heute so und wird hoffentlich auch noch lange so bleiben.

Und so Rufe ich euch zu: “Die Erbächer Kerwe sie lebe hoch!!!!!!!“

 

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weitere Bilder aus den letzten 31 Jahren der Erbächer Kerwe findet Ihr hier

 


 225 Jahre Erbacher Kerwe

Von Manfred Bräuer

Vor einigen Jahren konnten wir in der Erbacher Kerwezeitung stolz berichten, dass die Erbacher Kerwe bereits 1837 gefeiert wurde.[1] Damit wäre die Erbacher Kerwe im Jahr 2013 175 Jahre alt. Aber: Warum steht in der Überschrift 225 Jahre? Wie kommt es, dass wir nochmals 50 Jahre dazu geben können? Werfen wir dazu einen Blick zurück in das 18. Jahrhundert, als Erbach zum Kurmainzer Territorium gehörte und demzufolge die Gesetze und Verordnungen der kurfürstlichen Regierung zu beachten waren.

Nicht nur zu den drei großen Lebensfesten (Taufe, Hochzeit und Begräbnis) wurde in den vergangenen Jahrhunderten ausgiebig gefeiert, sondern auch an Fastnacht und Kirchweih, an Sonn- und Feiertagen und während des „Feierabends“. Das Feiern bildete somit einen Ausgleich zu Alltag und Arbeit.

In der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts versuchten die Kurmainzer Landesherren, die Feste zu reglementieren. Neben der hohen Anzahl – es gab 47 Feiertage – galt das Augenmerk vor allem dem Verhalten der Untertanen. Übermäßiger Alkoholkonsum, Glücksspiel, Gewalt, Ruhestörung und Sachbeschädigung waren auch damals Themen, mit denen sich die „Policey“ zu beschäftigen hatte. Gefeiert wurde in Wirtshäusern und Spinnstuben, sowie auf zentralen öffentlichen Plätzen wie Markt- und Kirchplätzen. Insbesondere die jüngeren Unverheirateten benutzten „heimliche Orte“ für ihre Treffen.

Die Kirchweih hatte sich von einem ursprünglich religiösen Fest zu einem der Fastnacht ähnlichen Volksfest mit Musik, Tanz, Umzügen, Reden, Glücksspiel, Essen und Trinken gewandelt. Die „Kerwe“ oder „Kirmes“ (die Kirchweihmesse) entwickelte sich zum Hauptfest der Kurmainzer Landbevölkerung. Vor allem im Spätsommer und im Herbst fand nahezu an jedem Sonntag in einer bzw. mehreren Gemeinden eine Kerwe statt. Diese dauerte oft mehrere Tage und lockte viele Besucher an. Die Landbevölkerung besuchte die Kirchweihfeste anderer Gemeinden und Städte, in denen Freunde und Verwandte lebten, und wurde dort auch bewirtet. Dabei wechselten die Untertanen des zersplitterten Kurmainzer Territoriums relativ häufig in Nachbarterritorien, um die dortige Kirchweih mitzufeiern, und brachten so das „Geld außer Landes“. Der Heppenheimer Amtskeller Wilhelmi[2] schrieb dazu 1774, dass die jungen Leute in fremdherrische Nachbargemeinden, und zwar vor allem „in die Kurpfälzischen Wirtshäuser“, ausweichen würden. Und weiter: Sie „Trinken und Tanzen alda bis in die späte Nacht, und Gehen alsdann anerst paar weis nach Haus. Die Finsterung der Nacht, und die von auffsicht frein Weege geben hierbei Gelegenheit dasjenige ohngstöhrt zu bewerckstelligen, was zu Haus die Gegenwart deren Eltern und Anverwandten würde verhindert haben“.

Es wurde versucht, durch eine Reduzierung der Feiertage und Zusammenlegung von Kirchweihen mehr Arbeitstage – an denen nun nicht mehr gefeiert werden sollte – zu schaffen. Jedoch wurde dadurch gefördert, dass das Geld bei ausländischen Kirchweihfesten ausgegeben wurde. Besonders die Wirte beklagten sich, sie hätten weniger Umsatz und die Staatskasse hätte durch entgangene Steuern einen finanziellen Verlust.

Die Regierung musste sich daher in den 1780er Jahren mehrmals mit dem Kirchweihproblem beschäftigen. Sie lehnte jedoch eine völlige Zusammenlegung auf einen Tag ab und bemühte sich verstärkt darum, die Kirchweihen in der Erntezeit auf andere Termine zu verlegen.

In diesen Zeitraum fällt ein Bericht des Oberamtes Starkenburg an die Mainzer Regierung. Nachweislich des zum Bericht gegebenen Protokollauszuges vom Juni 1787 war man sich auch in Heppenheim nicht einig, ob die Verlegung der Kirchweihfeste der richtige Weg sei. Argumente gegen und für die Verlegung der Kirchweihtage wurden protokolliert, sie wurden wohl im ganzen Mainzer Herrschaftsgebiet ähnlich vorgebracht. Bemerkenswert ist, dass die örtlich Verantwortlichen ihrem Bericht eine Liste beifügten, in der für die einzelnen Orte des Oberamtes die Zeitpunkte des Kirchweihfestes festgehalten wurden[3]. In dem „Verzeichniß zu welcher Zeit in denen Ortschaften des h. Oberamts Starkenburg die Kirchweih Fest gehalten worden“ findet sich auch der Eintrag „Erbach am Sonntag nach Maria Geburt“. Dieses Aktenstück aus dem Jahr 1787 enthält die früheste bekannte Erwähnung eines Erbacher Kirchweihfestes und den Grund für „225 Jahre Erbacher Kerwe“.

Kopf des Verzeichnisses über die Kirchweihen im Oberamt Starkenburg

Eintrag über den Termin der Kichweih in Erbach: Am Sonntag nach Maria Geburt[4]

In Mainz wurden die Heppenheimer Ausführungen, insbesondere die unterschiedlichen Meinungen von Amtsverweser, Amtskellern und Amtsrichter, beurteilt. Es wurde unterschieden „welche Kirchweihen in schickliche und welche in unschickliche Zeiten fallen“: Aus dem vorgelegten Verzeichnis sei zu ersehen, dass „die meisten Kirchweihen in vielen Orten dieses Oberamtes in Zeiten fallen wo der Landmann nicht beschäftigt“ sei. Demzufolge könnten in folgenden Orten die Kirchweihen belassen werden, da sie in dem Zeitraum vom September bis in den November fallen: Kleinhausen, Bürstadt, Viernheim, Fürth, Lörzenbach und Kröckelbach, Kolmbach, Mörlenbach, Weiher, Klein- und Groß-Breitenbach, Mumbach, Mackenheim, Ober-Liebersbach, Erbach sowie Lorsch. In den übrigen zum Oberamtsbezirk Starkenburg gehörigen Ortschaften fielen die Kirchweihen in Zeiten, „in denen der Landmann beschäftiget“ sei, weswegen „diese Kirchweihen verlegt werden“ müssten. In Frage käme „hierzu die Zeit zwischen Michaeli und Martini“ und die Kirchweihen seien möglichst „auf verschiedene Sonntage zu verlegen“.

Gegen die liberale Haltung der Regierung ordnete der Kurfürst im Mai 1789 die Zusammenlegung auf einen einzigen Tag, den Sonntag nach Martini, an. Das Tanzen auf den alten Kirchweihtagen, auch gegen Erlegung der gewöhnlichen Dispensationsgelder, wurde ausdrücklich verboten. In der Praxis ließ sich diese Verordnung – wie es die Regierung vorausgesehen hatte – jedoch nur unter größten Schwierigkeiten umsetzen. Hunderte von Kirchweihfesten mussten verlegt werden. Viele Gemeinden baten um die Zurückverlegung des Festes auf den alten Termin.

Dank und Ausblick

Der Dank des Verfassers gilt Prof. Dr. Karl Härter, der sowohl die Quelle aus den Mainzer Polizeiakten[5]zugänglich gemacht, als auch die teils wörtliche Übernahme von Texten aus seinen Veröffentlichungen[6] gestattet hat.

Anlässlich der geplanten Ausstellung „225 Jahre Erbacher Kerwe“ vom 1. bis 4. November 2012 wird es möglich sein, diesen historischen Rückblick zu vertiefen.


[1] Kerwezeitung von 1989

[2] Peter Joseph Wilhelmi, * err. 1731, † Heppenheim 22.4.1790; Amtskeller des Oberamtes Starkenburg 1766-1783, 1786 Hofgerichtsrat und Oberamtmann [Sippenbuch Heppenheim, Nr. 8235].

[3] Die vollständige Liste wird demnächst in „Die Starkenburg“, der vom Heppenheimer Geschichtsverein e.V. herausgegebenen, heimatkundlichen Beilage zum Starkenburger Echo veröffentlicht werden.

[4] Das Fest Maria Geburt findet am 8. September statt.

[5] Bayerisches Staatsarchiv Würzburg, Bestand Kurmainz, Mainzer Polizeiakten (MPA) 139, p 67 f.

[6] Karl Härter, Policey und Strafjustiz in Kurmainz. Gesetzgebung, Normdurchsetzung und Sozialkontrolle im frühneuzeitlichen Territorialstaat (Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 190), Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2005.

 


„... fliegen alle Schwalben furt“

Von Manfred Bräuer

Was hat die Erbacher Kerwe mit dem jährlich stattfindenden Flug der Schwalben zu tun? Sicherlich etwas weit hergeholt, so kann hier doch ein Zusammenhang hergestellt werden: In dem „Verzeichniß zu welcher Zeit in denen Ortschaften des h. Oberamts Starkenburg die Kirchweih Fest gehalten worden“ von 1787 (vgl. den Beitrag „225 Jahre Erbacher Kerwe“ in dieser Kerwezeitung) findet sich auch der Eintrag „Erbach am Sonntag nach Maria Geburt“. Das Fest Maria Geburt am 8. September legte demzufolge den Termin für die Erbacher Kerwe.

Einer der früher besser bekannten, Jahreszeit bezogenen, Weisheiten lautet: „Um Mariä Geburt fliegen alle Schwalben furt”. Und in der Tat, in der ersten Septemberhälfte sammeln sich die Schwalben und ziehen in großen Schwärmen nach Süden. Unsere Vorfahren, die beobachtet hatten, dass die Schwalben um Mariä Verkündigung (25. März) kommen und um Mariä Geburt (8. September) wieder zurückfliegen, also den Frühling und den Herbst verkünden, haben die Schwalbe zum Symboltier Mariens gemacht. Die Schwalbe gilt deshalb als Marien- oder Muttergottesvogel.

Weitere Bauernweisheiten zu Mariä Geburt sind:

  • Wenn Maria, die Jungfrau, geboren ist, so säe dein Korn, s’ist die rechte Frist.
  • Mariä gebor’n - Bauer sä Weiz’n und Korn!
  • Kommen die Raupen zu Mariä Geburt in den Kohl, so sterben sie gleich nachher wie toll.
  • Wird Marien Geburt gesät, ist’s nicht zu früh und nicht zu spät.
  • Wie sich’s Wetter an Mariä Geburt verhält, ist’s noch weitere vier Wochen bestellt.
  • Um Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt, bleiben sie noch da, ist der Winter noch nicht nah.

Bekanntermaßen wird die Erbacher Kerwe heute nicht mehr am Sonntag nach dem 8. September, sondern am letzten Augustsonntag gefeiert. Soweit bekannt ist, wurde die Erbacher Kerwe im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts am ersten Sonntag im September gefeiert. Heimatforscher Dr. Heinrich Winter hat noch 1944 aus einer Befragung älterer Erbacher erfahren, dass die Kerwe am ersten Sonntag im September gefeiert wurde: „Ägidius legt die Kerb“ (Fest des Ägidius am 1. September, falls dieser ein Sonntag ist, ist dann Kerb). Angeblich wegen der Überschneidung mit dem seit 1929 stattfindenden Bensheimer Winzerfest wurde die Kerwe um eine Woche nach vorne gelegt. Bei der Wiederbelebung der Erbacher Kerwe in den 1980er Jahren wurde der Augusttermin beibehalten – auch als die Heppenheimer Winzergenossenschaft ihr Sekt- und Weinfest auf den Termin der Erbacher Kerwe legte.